Tag der Menschenrechte – Nach Dem 15. Juli War Alles Anders

Nach dem 15. Juli war alles anders und sehr schwere Tage hatten für uns begonnen. Unsere Bekannten hielten sich von uns fern und hatten Angst mit uns zu reden. Als wir dann eines Tages an unserem Scheibenwischer unseres Autos einen Drohbrief fanden, wurde uns klar, dass wir hier nicht mehr bleiben konnten und sind von Konya nach Istanbul zu meiner Familie gezogen. Zu diesem Zeitpunkt war ich im siebten Monat schwanger und meine Schwangerschaft verlief sehr schwer und stressig.

Wir wussten, dass es für mich ein Haftbefehl vorlag. Am Abend des zehnten Oktobers musste ich aufgrund der Geburt ins Krankenhaus und am nächsten Morgen kam mein Sohn auf die Welt. Am 11. Oktober hatten wir am Abend das Krankenhaus verlassen. Am nächsten Morgen, den 12. Oktober stand die Polizei vor unserer Haustür und ich wurde direkt festgenommen. Es wurde mir nicht mal gestattet, mich umzuziehen geschweige denn mein Neugeborenes Baby zu stillen. Ich wurde trotz meiner Narben aus der Geburt und meinem erst ein Tag altem Baby, stundenlang auf der Wache gehalten. Später kam ein Beamter in den Raum und forderte mich auf, einen Zettel zu unterschreiben. Als ich darum gebetet habe, den Zettel durchlesen zu wollen, wurde ich seitens des Beamten beleidigt und mir wurde aufgezwungen den Zettel zu unterschreiben. Danach wurde ich zum Amtsgericht gebracht, um dem Richter vorgeführt zu werden.

Der Staatsanwalt in Konya gestattete mir nicht das Recht der SEGBIS, wodurch ich von der Pflicht der Anwesenheit am Gericht befreit werden würde und musste die Fahrt von 600 km nach Konya antreten. Währenddessen hatte mein Sohn hohes Fieber, aber dem wurde kein offenes Gehör geschenkt. Am nächsten Tag wurde mein Sohn zur Kontrolle ins Krankenhaus gebracht, wo die Ärzte eine Infektion und eine Gelbsucht feststellten. Auf die Frage der Polizisten, ob das Kind die Reise antreten dürfte, lehnte der Arzt dies strikt ab und verwies das Baby in die Uniklinik. Die Polizisten aber verfolgten nicht die Anweisungen des Arztes und brachten das Baby erneut zur Polizeiwache. Am Abend sind wir mit den Polizisten um 20 Uhr nach Konya losgefahren. Als sich die Lage des Kindes auf dem Weg verschlechterte, wurden wir ins Krankenhaus gefahren. Wir blieben fünf Tage, unter Beobachtung der Polizisten, im Krankenhaus.

Im Anschluss wurden wir einen Tag in der Untersuchungshaft gehalten. Danach wurde ich zu einem Staatsanwalt gebracht und dieser beleidigte mich mit diesen Worten : „Man müsste dir ins Gesicht spucken, wärst du ein Junge, wüsste ich was ich dir zu sagen habe. Ihr seid Vaterlandsverräter, Assassins, ich ekele mich von euch, ihr habt kein Recht in diesem Land zu leben, werdet es auch in Zukunft nicht dürfen, ich werde dich einem Drogentest unterziehen“ und warf seinen Stift auf mich. Der Anwalt, der mit mir zusammen kam, nahm die Stellung des Staatsanwaltes ein und beide forderten mich auf, die Namen unschuldiger Menschen zu nennen. Sie haben mir damit gedroht, mit meinem Baby inhaftiert zu werden, wenn ich keine Namen nenne. Ohne das meine Aussage angehört wurde, beleidigten sie mich erneut und verwiesen mich aus dem Raum. Danach wurde ich vor Gericht geführt, aber mein Anwalt verteidigte mich nicht. Der Richter sagte zu mir, dass die Bedingungen im Knast besser geworden seien und ich dort mit meinem Baby gut aufgehoben wäre. Somit wurde ein Haftbefehl über uns beschlossen.

Im Knast wurden wir in eine kleine Zelle gebracht, wo bereits acht Menschen und ein 40 Tage altes Baby untergebracht waren. Als mein Baby und ich dazu kamen, waren wir insgesamt elf Menschen in der kleinen Zelle, die keine Belüftungsanlage hatte und uns wurde kein Bett zur Verfügung gestellt. Nach zwei Tagen wurde wir unter Hausarrest entlassen. Währenddessen konnte ich meinen Ehemann nicht sehen, da er sich aufgrund eines Haftbefehls versteckte. Somit vergingen zwei ganze Jahre und das Gericht verordnete meinem Ehemann eine Strafe von sechs Jahren, zehn Monaten und 15 Tagen. Mein Ehemann und ich wollten aufgrund der Haftstrafe das Land verlassen. Da wir aber das Land nicht verlassen durften, mussten wir die schwere Reise über die Maritza nach Griechenland antreten.

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